Technischer Fortschritt im Zeitraffer

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Technischer Fortschritt im Zeitraffer

Nie hat sich die Welt rasanter verändert, als in den letzten 50 bis 100 Jahren. Würde ein Mensch aus dem 19. Jahrhundert versehentlich in unsere Zeit purzeln, dann wäre ein wahrer Kulturschock vorprogrammiert. Schon allein die unglaublich vielen Straßen, aber auch die Autos, Flugzeuge, Eisenbahnen und die auf ihr Smartphone starrenden Passanten wären für diese Person äußerst gewöhnungsbedürftig. Sausen wir doch einfach mal im Zeitraffer durch die Jahrzehnte!

Das Automobil eroberte die Welt

Das Jahr 1888 ist zwar schon etwas länger als 100 Jahre her, doch markiert es einen wichtigen Meilenstein, der zu rasanten Veränderungen führte. Bertha Benz entschloss sich damals, die Erfindung von Carl Benz, die pferdelose Kutsche, über 106 Kilometer bis nach Pforzheim zu fahren. Wer ihr unterwegs begegnete, muss sie für eine Hexe gehalten haben, die ihr Gefährt per Magie antrieb!

Der Werbegag gelang und das Automobil verbreitete sich rasant über den gesamten Erdball. Die erste gigantische Massenproduktion warf Ford mit seinem Modell T, der berühmten Tin Lizzy, an. Von 1908 bis 1927 gingen 15 Millionen Stück des sympathischen Gefährts vom Band. Dieser Rekord wurde erst 1972 durch den VW Käfer getoppt!

Die Großproduktion der Tin Lizzy war nur deshalb möglich, weil Henry Ford den Herstellungsprozess auf eine neue Ebene hob. 1913 führte er in seinen Fabriken das Fließband ein, das jeden einzelnen Schritt rationalisierte. Ford hatte sich dieses Prinzip von Großmetzgereien in Chicago abgeschaut, also war er nicht, wie viele heute meinen, der Erfinder des Fließbandes, sondern nur jemand, der es perfekt zu nutzen wusste.

Insgesamt fand zu jenen Zeiten eine Metamorphose der Industrie statt, sie wurde dank fortschreitender Technik immer effektiver, während sich die Tätigkeit vieler Angestellte auf wenige, einfache Handgriffe reduzierte.

Ein Fortschritt, der auch vor der Unterhaltungsindustrie keinen Halt machte. Beispielsweise existierten seit Beginn des 19. Jahrhunderts bereits mechanische, münzbasierte Spielautomaten in Spielbanken. Diese herkömmlichen mechanischen Maschinen sind heute beliebte Sammlerstücke, sie galten als Inbegriff der Unterhaltung.

Was damals jedoch münzbasiert ablief, ist heute längst vollständig elektronisch. Dank Digitalisierung lassen sich jetzt nicht nur Jackpot-Automaten, sondern auch verschiedene Fertigungsmaschinen miteinander verknüpfen, sodass sich ganze Maschinen-Konglomerate ergeben. Und das natürlich auch außerhalb des Unterhaltungssektors.

Maschinen und Lokomotiven auf dem Vormarsch

Vor 100 Jahren gab es nicht nur bereits Automobile und Maschinen, sondern auch die Eisenbahn. Doch das Streckennetz hat sich seitdem extrem erweitert, obwohl einige Nebengleise aus alten Zeiten inzwischen wieder brachliegen.

Die behäbigen Dampfloks sind nur noch nostalgische Erscheinungen, die hin und wieder als Attraktion eingesetzt werden. In den 1970er Jahren fand bei der Deutschen Bahn eine grundlegende Elektrifizierung statt, die 1977 weitgehend abgeschlossen war. Statt der Dampflokomotiven fuhren von da an Elektro- und Dieselloks.

1985 zählte die Bahn zu den größten Arbeitgebern Deutschlands mit weit mehr als 300.000 Angestellten. Ab 1986 arbeitete die Deutsche Bundesbahn fieberhaft an der Entwicklung eines eigenen Hochgeschwindigkeitszuges, dem InterCity Express (ICE).

Um den rasanten Zug deutschlandweit in Betrieb zu nehmen, waren zahlreiche Streckenumbauten nötig. Seit 2002 verkehrt der ICE 3 auf der Strecke Köln-Frankfurt mit 300 km/h.

Die Revolution der Fernverständigung

Morsezeichen und Telegramme: So lief die Fernverständigung noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts üblicherweise ab. Alexander Graham Bell erfand zwar bereits 1876 den Telefonapparat, doch musste sich die nötige Infrastruktur erst einmal über Jahre hinweg entwickeln.

Die Nutzer der ersten Telefone mussten übrigens das Hör- und Sprechrohr abwechselnd an den Mund und an das Ohr halten: Das war alles andere als bequem. In den Fernsprechämtern arbeiteten um 1900 fleißige Damen daran, die Verbindungen über das manuelle Stecksystem herzustellen.

Das ist heute schon längst nicht mehr nötig, selbst nicht im Festnetzbereich, der vollautomatisiert geregelt wird. Hinzu kommt das moderne mobile Telefonieren, das noch Anfang der 90er Jahre zu den absoluten Seltenheiten gehörte.

Damals witzelte die Normalbevölkerung noch über die ersten Handynutzer, die sich nach allgemeiner Einschätzung allzu wichtig nahmen. Heute hängt fast jeder an der digitalen Strippe.

Flugpioniere hoben uns in die Lüfte

Auch die großen Flugpioniere haben unsere Welt kräftig umgekrempelt. Als Beispiel möchten wir hier Claude Dornier nennen, ein deutscher Ingenieur, der seine Karriere im Friedrichshafener Zeppelin-Unternehmen begann. Der unglaublich kreative Erfinder entwickelte unter dem Kürzel DO in den 10er Jahren des 20. Jahrhunderts sogenannte Riesenflugboote, und bald darauf auch immer wieder neue Landflugzeuge.

Über die Jahre brachte er die Technik seiner Flieger immer weiter voran, sodass daraus allmählich der moderne Luftverkehr entstand, wie wir ihn heute kennen. Vor 100 Jahren war das Fliegen allein denjenigen vorbehalten, die die teuren Tickets bezahlen konnten oder einfach die passenden Beziehungen unterhielten. Seit der Erfindung der Billigflieger kann fast jeder ins Flugzeug steigen, der will!

Photo by Raul654 (Author), CC BY-SA 3.0 (Licence)

Smart Home als derzeitige Endstufe der Evolution

Mittlerweile sind wir schon beim Smart Home angelangt, einer digitalen Automatisierung der privaten Haustechnik. Gesteuert wird das Ganze bevorzugt über virtuelle Assistenten wie zum Beispiel Alexa – nicht einmal ein simpler Knopfdruck ist dafür mehr nötig.

Der Mensch aus dem 19. Jahrhundert, der diesen “Zauber” aus dem Stegreif erlebt, muss sich nach diesem Erlebnis vermutlich tagelang wieder erholen! Denn wie damals, als Bertha Benz ihre legendäre Fahrt unternahm, wirkt dies alles auf technisch Unbedarfte wie pure Magie.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der Veränderungen, die sich in einer relativ kurzen Zeitspanne ergaben. Viele der genannten Erfindungen sind heutzutage einfach nicht mehr wegzudenken, sodass wir ebenfalls einen herben Kulturschock erleben dürften, sollten wir plötzlich zurück ins 19. Jahrhundert geraten.

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