Misophonie und störende Geräusche

Veröffentlicht von am 3 Nov, 2017 in Spezial Beitrag | Keine Kommentare
Misophonie und störende Geräusche

Heute möchte ich euch ein Thema vorstellen, welches zwar nichts mit Technik Gadgets zutun hat, aber durchaus als “Neuheit” betrachtet werden kann. Misophonie ist in meiner Familie ein wichtiges Thema, da meine kleine Schwester selbst davon betroffen ist. Was das ist und wie betroffene darunter leiden zeige ich euch nun.

Misophonie – wenn harmlose Geräusche aggressiv machen.

“Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden” so Wilhelm Busch. Wenn Du an Misophonie leidest, dann empfindest Du bestimmte Geräusche nicht nur als störend. Sie können regelrecht wütend machen. Die Bezeichnung Misophonie ist noch jung, als eigenständiges Krankheitsbild ist sie noch nicht anerkannt, die Symptomatik aber keinesfalls neu.

Was genau ist Misophonie und was hilft dagegen?

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Misophonie verstehen und überwinden.

Aus sprachwissenschaftlicher Sicht setzt sich Misophonie aus den griechischen Wörtern für Hass und Klang oder Geräusch zusammen. Das Phänomen unterscheidet sich damit von der ähnlich klingenden Phonophobie, bei der die auslösenden Geräusche keinen Hass oder Ärger, sondern Angst erzeugen.

Die Symptomatik ist verwandt mit Zwangsstörungen bei denen ein Betroffener mit zwanghaften Handlungen auf bestimmte Reize reagiert und wird wahrscheinlich noch oft als solche diagnostiziert.

Woran ist Misophonie zu erkennen?

Eine andere Bezeichnung des Phänomens ist “Selektive Geräuschintoleranz”. Sie lässt erkennen, dass ein Betroffener nicht auf alle, sondern nur auf bestimmte Geräusche anspricht. Welche das sind, ist unterschiedlich. Laut einer Studie des Akademischen Medizinischen Zentrums in Amsterdam sind die Auslöser der Misophoniestörung von Menschen unbewusst erzeugte Laute wie Atmen, Essgeräusche oder auch das Klappern einer Tastatur.

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Ob diese Charakterisierung aber auf alle Fälle zutrifft, ist nicht sicher. Die Niederländer haben zwar als erste Kriterien für die Diagnose formuliert, aber den Begriff Misophonie nicht selbst eingeführt.

Ist die Amsterdamer Misophonie ein Spezialfall?

Die niederländische Studie, die den Hass auf bestimmte Geräusche als neues, eigenständiges Krankheitsbild vorschlägt, zeigt eine Besonderheit, die zumindest eine spezielle Form der Störung erklären könnte. Bei den 42 Patienten, die an der Studie teilgenommen haben, lag das Durchschnittsalter beim ersten Auftreten der Symptome bei 13 Jahren. In diese Altersregion fällt typischerweise die Pubertät, in dem Du beginnst, Deine Persönlichkeit zu entwickeln und Dich abzugrenzen.

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Viele menschen fühlen sich unverstanden.

Der Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit steht aber im Widerspruch zum Bedürfnis nach Halt und Geborgenheit in der Familie. Das kann zu einem inneren Konflikt führen, aus dem sich Deine Psyche mit einem Trick zu befreien versucht, den die Psychologie Projektion nennt. Sie verlagert den inneren Konflikt auf ein äußeres Objekt, im Fall der Misophonie auf ein Geräusch. Er wird dadurch zwar nicht lösbar, aber leichter zu handhaben.

Misophonie als psychische Projektion?

Wenn Deine Psyche Deinen Wunsch nach Unabhängigkeit und Abgrenzung von anderen Menschen auf ein Geräusch umlenkt, das diese produzieren, gibt sie Dir ein konkretes Objekt, an dem Du die Unzufriedenheit mit Deiner Situation ungehindert auslassen kannst.

Handelt es sich dabei auch noch um Geräusche, die beispielsweise Deine Eltern unwillkürlich beim Atmen oder Essen erzeugen und daher nicht oder nur schwer abstellbar sind, könnte sie Dich kaum geschickter zu einer Abgrenzung von ihnen zwingen. Aber auch wenn diese Erklärung in bestimmten Fällen zutrifft, heißt das nicht, dass sich alle Fälle damit erklären lassen.

Neurologische Erkenntnisse aus Untersuchungen an Misophoniepatienten.

Britische Wissenschaftler der Newcastle University haben die Hirnfunktionen von Misophoniepatienten untersucht und bei den auslösenden Geräuschen eine erhöhte Aktivität in bestimmten Bereichen festgestellt, die allgemein mit negativen Emotionen in Verbindung gebracht werden.

Gleichzeitig stiegen Herzfrequenz und die Leitfähigkeit der Haut, ebenfalls eine typische Stressreaktion des menschlichen Körpers. Bedeutet das nun, dass der Hass auf bestimmte Geräusche durch eine Fehlfunktion des Gehirns verursacht wird? Das ist zwar möglich, aber einen Beweis dafür liefert die in der Zeitschrift Cell Biology veröffentlichte Studie der Briten nicht.

Überdurchschnittliche Hirnaktivität ist bei starken Emotionen normal.

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Misophonie verstehen und überwinden – Das Buch.

Misophoniebetroffene reagieren auf die Auslösergeräusche mit extremen Gefühlen, mit Wut oder Ekel. Entsprechend ist anzunehmen, dass im Gehirn überdurchschnittlich starke Reaktionen ablaufen.

Die Folgerung, die außergewöhnlichen Hirnaktivitäten seien die Ursache der Selektiven Geräuschintoleranz ist etwa so, als würde man überdurchschnittlich intensive Verbrennungsvorgänge in den Zylindern der Motoren für die Übertretung von Geschwindigkeitsbegrenzungen verantwortlich machen und nicht ein zu stark durchgetretenes Gaspedal oder eventuell einen Fehler in der Steuerung einer Einspritzanlage, die zu viel Kraftstoff fördert.

Psychiatrie oder Psychologie?

Auch wenn, wie die britischen Wissenschaftler behaupten, dass die spezifischen Geräusche bei Misophoniepatienten eine abnormal hohe Aktivität in bestimmten Gehirnregionen auslösen, ist damit keineswegs die Ursache der Störung gefunden oder auch nur ein Beweis für eine physiologische Fehlfunktion des Gehirns geliefert.

Die Amsterdamer Studie weist darauf hin, dass nur ganz bestimmte, menschengemachte Geräusche als Auslöser wirken. Nicht aber sehr ähnliche anderen Ursprungs, beispielsweise ein von Tieren erzeugtes Schmatzen. Das lässt eine psychologische Ursache der Misophoniestörung wahrscheinlicher erscheinen als eine neurologische, die auf einen Defekt im Gehirn zurückgeht.

Die einfache Lösung ist nicht unbedingt auch die beste.

Misophonie - Entstehung und Verlauf

Misophonie – Entstehung und Verlauf Rückseite.

Die Medikation einer typischen neuropsychologischen Störung kann leicht mehrere hundert Euro im Monat kosten. Da sie die Symptome lindert, aber nicht die Ursachen beseitigt, müssen die Medikamente regelmäßig neu verschrieben und gekauft werden. Ein nicht zu unterschätzender Anreiz für die medizinische Forschung, neurologische Ursachen für neuropsychologische Erkrankungen zu finden, die diese einer Behandlung mit Psychopharmaka zugänglich machen.

Auch für Dich als Patienten mag es zumindest anfänglich angenehmer sein, regelmäßig ein paar Medikamente einzunehmen, als in die tiefen Deiner Psyche hinab zu steigen und nach den psychischen Ursachen Deiner Probleme zu suchen. Auf Dauer wird dir das Aufdecken und beseitigen der tatsächlichen Ursachen aber mehr helfen, als das ständige herumdoktern an den Symptomen Deiner Misophonie.

Aus eigener Erfahrung möchte ich euch das Buch “Misophonie verstehen und überwinden” von Thomas H. Dozier vorstellen und empfehlen. Hier erklärt er zwar wissenschaftlich, aber leicht verständlich das Thema Misophonie.

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